Bildung 4.0 – wie Digitalisierung in Schulen zum Alltag werden kann

Bildung 4.0 – wie Digitalisierung in Schulen zum Alltag werden kann

Wer hätte vor 12 Monaten damit gerechnet, dass in naher Zukunft Einkaufsläden, Behörden und Bildungseinrichtungen geschlossen würden? Der erste Lockdown zwang ganz Deutschland dazu, zu Hause zu bleiben. Vor allem für junge Menschen eine ungewohnte Herausforderung – keine Treffen mit Freunden, Sportvereine geschlossen und keine täglichen Schulbesuche. Es wurden Konzepte notwendig, mit denen dezentrales Lernen trotzdem stattfinden kann. Auf drastische Weise wurde sichtbar, was schon seit längerer Zeit immer wieder diskutiert wird: die Digitalisierung in Schulen reicht nicht aus. Seit Jahresbeginn unterstützt Zoom die Digitalwerkstatt des Spielwarenherstellers HABA bei virtuellen Workshops. Karile Klug, Geschäftsführerin der HABA Digitalwerkstatt, und Peer Stemmler, Deutschlandchef von Zoom, sprechen zur Digitalisierung im Bildungswesen. 

Wie steht es um Deutschland im Bereich digitale Bildung aktuell? Was hat sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr verändert?

Karile Klug: Man hat schmerzlich festgestellt, welche Veränderungen im Bildungssystem längst notwendig gewesen wären. Es hat uns allen aber gut getan, unsere Komfortzone verlassen zu müssen. Wir beobachten seither viel Offenheit dem Lernen von Neuem gegenüber. 

Andererseits sollte unsere Erwartung dem Bildungssystem gegenüber nicht dieselbe revolutionäre und disruptive sein wie z. B. der Tech-Branche gegenüber. Wir müssen vorsichtig definieren: Was ist langfristig wichtig für Kinder? Welche Kompetenzen bleiben nachhaltig relevant?

Peer Stemmler: Ich sehe das ähnlich. 2020 konnte Unterricht nur dank digitaler Alternativen stattfinden. Das sorgt einerseits für Herausforderungen, weil Präsenzunterricht lange Zeit als alternativlos galt. Andererseits sorgen die Auswirkungen der Pandemie für einen enormen Innovationsdruck, weil schnell effiziente Lösungen geschaffen werden müssen. In den letzten Monaten ist viel im Bereich digitale Bildung passiert, darauf ausruhen darf man sich aber nicht. Ich denke, dass 2020 sichtbar gemacht hat, welche Möglichkeiten digitale Lehre bietet.

Welches Potenzial haben deutsche Bildungseinrichtungen im Bereich digitale Bildung noch? Gibt es Möglichkeiten, wie sie sich noch verbessern können?

Karile Klug: Digitale Bildung ist vielschichtig, es geht nicht nur darum, Hardware für Schulen zu kaufen. Wir wollen eine ermutigende Umgebung ermöglichen, in der Lehrende selbst digitalen Content und digitale Formate für alle Fachbereiche üben und ausprobieren können. Nicht nur Informatik, auch Fächer wie Mathematik oder Kunst können mit digitalen Elementen angereichert und durchgeführt werden. Wir müssen die Denkweise mehr in Richtung lebenslanges Lernen verändern. Und das klappt am besten, indem wir Lehrende z. B. unsere eigenen Lernmethoden aufzeigen und nicht einfach nur Wissen transferieren. 

Peer Stemmler: Digitale Elemente können in der Lehre noch vielseitiger eingesetzt werden. Für Bildungseinrichtungen heißt das aber auch, dass sie die Möglichkeiten durch den Digitalpakt selbstbewusster nutzen müssen. Dann wird mehr Raum für innovative Ideen geschaffen. Und auch wenn Präsenzunterricht wieder zur Norm wird, darf das die voranschreitende Digitalisierung nicht ausbremsen, sonst hinkt Deutschland im internationalen Vergleich weiter hinterher. Im Übrigen fordern auch viele Studierende mehr Digitalunterricht.

Welchen Beitrag können Sie dazu leisten, dass das Potenzial ausgeschöpft werden kann? 

Karile Klug: Wir als HABA Digitalwerkstatt bieten der Bildungscommunity einen Raum, neue Dinge auszuprobieren. Für uns ist es wichtig, Kinder auf die Welt der Zukunft vorzubereiten. In dieser Welt verschmelzen digitale Kompetenzen mit analogen. Wir beziehen all unsere Teilnehmenden, Kinder wie Erwachsene, aktiv ein. Wir teilen unsere Erfahrung mit den Lehrenden, indem sie in unseren Formaten zum Beispiel assistieren. Kinder und Erwachsene lernen bei uns “Hands-on”, indem sie aktiv teilnehmen und beitragen. 

Peer Stemmler: Unsere Zusammenarbeit mit der HABA Digitalwerkstatt zeigt, wie facettenreich digitale Bildung ist. Sie besteht aus vielen verschiedenen Komponenten und wir sehen uns als einen Teilaspekt dieser ganzheitlichen digitalen Lösung. Deshalb stellen wir Schulen Zoom momentan kostenlos zur Verfügung. Dadurch kann Unterricht mit bis zu 100 Schülerinnen und Schülern digital stattfinden. Die Einheiten können aufgezeichnet werden und Breakout Rooms ermöglichen digitale Gruppenarbeit. Dadurch stellen wir eine Infrastruktur zur Verfügung, die Bildungseinrichtungen dann für sich nutzen können. 

Wie kam es zu der Zusammenarbeit der HABA Digitalwerkstatt und Zoom? Sind weitere gemeinsame Projekte geplant?

Karile Klug: Wir wählten Zoom für unsere Live-Online-Inhalte, weil das Tool unsere wichtigsten Anforderungen erfüllt: es muss so einfach und zugänglich sein, dass Kinder es ohne viel Einarbeitung und ständige Aufsicht der Eltern bedienen können, und wir behalten die Kontrolle über die Sicherheit der Teilnehmenden. Im Laufe des Jahres haben wir über 2.000 Kinder in über 250 Online-Workshops begrüßt sowie Hybridunterricht an mehreren Schulen angeboten. Als klar wurde, dass die Kinder nach den Winterferien nicht zurück in die Schule können, wollten wir den Familien schnell Unterstützung bieten. Wir sind dankbar, dass Zoom unsere Mission verstanden und sie mit uns umgesetzt hat! Innerhalb kürzester Zeit waren die gesponserten Workshops ausverkauft. Das ist die Agilität, die wir im Bildungsbereich brauchen! Wir freuen uns, auch zukünftig mit Zoom das weitere Potenzial auszuschöpfen. 

Peer Stemmler: Für uns ist die HABA Digitalwerkstatt realitätsnahes Lernen. Sogenannte Digital Natives bringen ein hohes Maß an digitalem Selbstverständnis mit, darauf sind die Inhalte ausgerichtet. Die Workshops zu Minecraft und der E-Book-Gestaltung sind der beste Beweis dafür. Dass wir HABA die Umsetzung erleichtern können, freut uns umso mehr. Der Erfolg der Workshops spricht für sich und die Zusammenarbeit wird auch in Zukunft viele Möglichkeiten bieten.

Zu den Personen

  • Karile Klug ist seit April 2020 zweite Geschäftsführerin der HABA Digital GmbH und leitet gemeinsam mit Bentje Lefers die HABA Digitalwerkstätten. Während ihres Business Management und Soziologie Studiums und ihrer anschließenden beruflichen Stationen bei Agenturen, Vermarktern und einem großen deutschen Business-Netzwerk lag Klugs Hauptaugenmerk auf neuen Technologien sowie der Internationalisierung von Produkten. Nebenberuflich war Karile Klug lang als Beraterin und Trainerin für Sprachassistenten-Technologien tätig. 

    Selbst Mutter von zwei Kindern, stellte Klug schnell fest, dass die digitale Bildung von Kindern immer wichtiger wird, und entschied sich daher, die HABA Digitalwerkstatt mit ihrem Know-How zu unterstützen. So entstand in kürzester Zeit u. a. ein umfangreiches Online-Angebot, bei dem sich mittlerweile nicht mehr nur Kinder aus Deutschland in wichtigen Zukunftskompetenzen wie Teamfähigkeit, logischem Denken und Kreativität sowie in der digitalen Welt üben.
  • Peer Stemmler ist Deutschlandchef von Zoom und leitet seit Oktober 2019 das Vertriebsteam in DACH. Nach seinem Studium im Bereich Maschinenbau startete der Diplom-Ingenieur zunächst in der Automobilbranche, bevor er sich auf IT-Software spezialisierte. Peer Stemmler verfügt über jahrelange Erfahrung im Bereich Videotelefonie und -konferenz und hatte verschiedene leitende Vertriebspositionen beim Videokonferenzanbieter WebEx und später beim Telekommunikationsunternehmen Cisco inne, bevor er Ende 2019 zu Zoom wechselte.

    Als Vater von drei Töchtern und Experte im Bereich Telekommunikation weiß er aus eigener Erfahrung, wie wichtig der sichere Umgang mit IT-Software und Videokonferenzlösungen ist – sowohl im Berufsleben als auch im Privaten.

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